5 Fragen und Antworten, wie Sie den Traumberuf ausprobieren können

Wie erfüllen Sie sich berufliche Träume?

von Anke Lüneburg

Wollten Sie schon immer einen ganz anderen Beruf ausprobieren? Sie sind seit über 10 oder 20 Jahren im Beruf und denken, dass das jetzt zu spät ist?

Dem möchte ich widersprechen – trauen Sie sich, nochmal etwas ganz anderes zu testen! Dann bedauern Sie es auch nicht…

An meinem eigenen Beispiel möchte ich Ihnen zeigen, dass Sie es sich erlauben dürfen, eine andere Tätigkeit einfach mal auszuprobieren – und sei es für einige Wochen oder Monate. Und dann wissen Sie, ob es nur ein Traum bleibt oder ob Sie ernsthaft darüber nachdenken wollen….

Vor 20 Jahren hatte ich einen Job, der mir inhaltlich Freude machte, aber die äußeren Bedingungen lähmten mich. Ich bin ein Mensch, der Freiraum braucht, um kreativ arbeiten zu können – und das war dort nicht gegeben.

Was also tun? Ich stellte mir folgende Fragen:

  1. Was wollte ich schon immer beruflich machen, z.B. direkt nach der Schule, und habe es nie umgesetzt? ´

Damals wollte ich Journalistin werden, habe mir jedoch nicht zugetraut, zu Zeitungen oder Radiosendern zu gehen und mich als Praktikantin oder freue Mitarbeiterin zu bewerben. Ich war völlig unsicher, ob ich gut genug schreiben und mich durchsetzen kann….so habe ich es gelassen und eine Ausbildung gemacht.

  1. Also: Journalistin! Wo könnte ich das ausprobieren? Und wie überzeuge ich Menschen, dass ich auch mit Anfang 30 willens bin, ein Praktikum zu machen?

Zeitung wollte ich nicht mehr, lieber Funk und Fernsehen. Ich habe mich beim NDR Landesfunkhaus in Kiel als Praktikantin ebenso beworben wie beim ZDF in Kiel – dort gibt es ein Landesstudio, das für Schleswig-Holstein und damals sogar für das Baltikum zuständig war. Das ZDF nahm mich auf die Warteliste (sehr begehrt, diese Praktikantenstellen); der NDR bot mir ein vierwöchiges Praktikum direkt in Kiel an – und mein Alter zusammen mit meiner Erfahrung war eher ein Vorteil….

  1. Wie kann ich das umsetzen, wenn ich meine derzeitige Stelle nicht (gleich) aufgeben will?

Ich habe Urlaub genommen und um unbezahltem Urlaub gebeten. Für vier Wochen war das kein Problem. Beim ZDF in Kiel bin ich auf der Warteliste geblieben – sie hatten damals 6-9 Monate Wartezeit. Und wer weiß, vielleicht würde sich ja dort auch etwas ergeben?

  1. Wie geht es dann weiter? Eine Entscheidung muss her…

Wenn es Ihnen sehr gut gefällt, stellen Sie in der Organisation viele Fragen: Nach welchen Kriterien könnten Sie bleiben? Brauchen Sie eine echte Ausbildung? Eine Weiterbildung? Reicht „Learning on the job“? Würde die Organisation, bei der Sie das Praktikum gemacht haben, Sie als Mitarbeiter/in einstellen? Befristet oder unbefristet? Können Sie sich vorstellen, dort zu arbeiten oder ist zwar der Beruf prima, diese Organisation weniger?

Mir hat es beim NDR in Kiel gut gefallen – und der NDR bot mir eine Elternzeitvertretung an! Zwar nicht als Journalistin, sondern in der Öffentlichkeitsarbeit. Nun musste ich mich entscheiden – gebe ich die wenig geliebte feste Stelle auf für eine befristete, die aber verspricht, interessant und aufregend zu sein und mit der Chance, Neues lernen zu dürfen? Ich entschied mich für die Stelle in Kiel und habe es nicht bereut. Ich war in ganz Schleswig-Holstein unterwegs, lernte viele Leute kennen – und vor allem das Handwerk der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nach der Vertretungszeit habe ich mein Praktikum beim ZDF in Kiel angetreten – und lernte, journalistisch zu arbeiten. Ich bekam die Chance, Menschen zu interviewen und sogar eigene Beiträge zu schreiben, selbst zu sprechen und mit der Cutterin zu schneiden. Nach dem Praktikum war ich als freie Journalistin für das ZDF tätig – häufig in Kiel im Landeshaus, aber auch im ganzen Land Schleswig-Holstein.

  1. Was tue ich, wenn mir das Praktikum nicht gefallen hat? Sie können entweder das Thema für sich abschließen und sich sagen, dass der Traum schön war, aber mit der Realität nicht standgehalten hat. Dafür hat jetzt „die liebe Seele Ruh“.

Gleichzeitig können Sie nachdenken, welche einzelnen Aspekte gut waren, was ihnen besonders gefallen hat, was Ihnen viel Freude gemacht hat – und diese übertragen in Ihre jetzige Tätigkeit, um sie zu verbessern. Falls das nicht möglich ist, nutzen Sie sie für die Suche nach einem neuen Job.

Und wie ging es bei mir weiter?

Ich habe später wieder eine feste Stelle in einer anderen Branche angenommen, wo ich die journalistischen Fähigkeiten nutzen konnte. Gleichzeitig wusste ich, was ich brauche, um im Job zufrieden oder sogar glücklich zu sein. Das hatte ich den Praktika in Kiel zu verdanken.

Fazit

Versuchen Sie es! Suchen Sie Ihre Antworten auf die 5 Fragen: Wollten Sie schon immer erfahren, wie es ist, als Eventmanager zu arbeiten? Oder als Erzieherin? Oder als Tischler? Oder…?

Legen Sie los! Suchen Sie die Unternehmen oder Organisationen, die solche Jobs anbieten, die Ihnen gefallen könnten! Gehen Sie mit Ihrer Bewerbung hin und erzählen Sie offen, was Sie bewegt, was Sie dort tun könnten. Klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber, dass Sie einen längeren Urlaub oder eine Auszeit nehmen möchten (natürlich nicht kurzfristig) und probieren Sie Ihren Traumjob.

Und zum Schluss denken Sie nach: Was hat mir das Praktikum gebracht? Wäre das etwas für mich? Was müsste ich dafür tun? Ginge es mir dann besser?

Suchen Sie sich Gesprächspartner, die Sie wohlwollend unterstützen, mit denen Sie sich austauschen können und die Sie bei einer Entscheidung unterstützen könnten.

Einen Buchtipp habe ich noch: Richard Nelson Bolles: „Durchstarten zum Traumjob“: https://www.amazon.de/Durchstarten-zum-Traumjob-ultimative-Aufsteiger/dp/359338809X . Schon über 20 Jahre alt, aber immer noch lohnenswert, wenn man willens ist, sich mit sich selbst zu beschäftigen und herauszufinden, was man wirklich will…

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihren Weg!

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