Welche positiven Aspekte können wir schon jetzt aus der Corona-Krise ziehen?

von Anke Lüneburg

Vier Denkanstöße zu den Potenzialen der aktuellen Situation

  1. Gefühle wie Angst erkennen und zulassen – weg vom Sprüche klopfen! Fällt Ihnen auch auf, dass die alten Sprüche aus schlimmen Zeiten wieder hochkommen? „Was uns nicht umbringt, macht uns härter“, „Nur die Harten kommen in den Garten“ oder „Unkraut vergeht nicht“ ist jetzt wieder häufig zu hören. Nur – das hilft uns nicht! Wir können cool tun, in Aktionismus verfallen und den Baumarkt leerkaufen – das Verdrängen unserer Gefühle bringt nur Magengeschwüre oder Schlafschwierigkeiten.

    Die meisten von uns wollen auf keinen Fall über unsere innersten Gefühle wie Angst und Trauer nachdenken, über unsere Angst vor Jobverlust, Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit, vor Verlust des eigenen Betriebes oder unseres gesellschaftlichen Wohlstands.

    Wenn Sie sich jedoch sagen: „Ja, ich habe Angst davor, dass ich entlassen werde oder mein Geschäft aufgeben muss - und ich stehe dazu“, dann erkennen Sie Ihre Ängste. Sie kommen ins Nachdenken über die Situation und können anerkennen, was ist. Erst dann können Sie den nächsten Schritt gehen und überlegen, wie Sie weiter vorgehen. Durch Aktionismus gewinnen Sie nichts.

    Falls Sie nicht allein aus der Angst kommen, lassen Sie sich von Profis wie Therapeuten oder Coaches unterstützen. Sie müssen damit nicht allein bleiben.

  1. Pause machen und nachdenken - weg vom rastlosen Tun!
    Warum rennen wir alle durch die Gegend und glauben, wir müssten unbedingt etwas tun? Mehl und Hefe und Blumenerde kaufen? Ganz schnell lernen, wie wir online konferieren oder unterrichten können? Uns aufregen, wenn Dinge (vermeintlich) nicht klappen? Oder unsere Energie in die Umgehung der aktuellen Beschränkungen stecken?

    Der Grund: Die Ängste nicht wahrhaben wollen. Wenn wir sie jedoch erkannt haben, können wir sie bildlich betrachtet „zur Seite stellen“, bewusst eine Pause einlegen und uns Fragen stellen wie „welche Chance liegt in der aktuellen Krise? Wenn der schlimmste Fall eintritt: Was mache ich dann? Was möchte ich machen?“ Nicht sofort wieder in Aktionismus verfallen und Bewerbungen schreiben – sondern nachdenken. „Was würde ich tun, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gäbe? Was wollte ich schon immer gern machen? Wie soll der Rest meines Lebens aussehen? Hat mich die Arbeit im Homeoffice begeistert oder eher gelähmt? Brauche ich Menschen um mich? Sollte ich mehr für mich selbst sorgen?“ Hier gibt es viele weitere Fragen…und vor allem Antworten! Die sich jedoch nur finden lassen, wenn wir uns wirklich Zeit nehmen.

  2. Sich weiterentwickeln – weg von den Erwartungen anderer!
    In der Pause weiterdenken – damit ist keine Selbstoptimierung gemeint. Sondern, wie Jens Corssen in seinem Buch „Der Selbstentwickler“ schreibt: „Die Situation ist mein Coach, und ich bin ihr Schüler“. Aus einer Situation (oder einer Krise) lernen, mit Wandel umzugehen – also nicht aufregen, andere für Idioten halten oder in depressive Verstimmung fallen. Sondern die Situation annehmen, die Opferrolle verlassen, rausgehen aus alten Denkmustern – egal was andere denken oder sagen. Nur so erhalten wir unsere eigene mentale Stabilität und können uns selbst aus der Krise führen.

    Erlauben Sie sich, sich selbst weiterzuentwickeln, sich selbst zu führen, indem Sie Ihr Gehirn nutzen, über Ihre persönliche Situation zu reflektieren und sich selbst besser kennenzulernen – anstatt im Gedankenkarussell der Angst zu bleiben oder Aktionismus zu verbreiten. Denken Sie über Ihre Wunschziele und den Weg dorthin in Ruhe nach und besinnen Sie sich auf Ihre Kraft.

  3. Den eigenen Weg finden - weg von der stetigen Selbstoptimierung!
    Ganz sicher: Sie finden Ihren Weg! Und Sie gewinnen auch Ihre alte Kraft zurück. Selbst wenn Sie Ihren Job verlieren sollten oder zeitweise weniger Geld zur Verfügung haben. Es geht wieder aufwärts, wenn Sie wirklich innehalten, reflektieren und bereit sind, sich weiterzuentwickeln. Dafür müssen Sie nicht das tun, was andere Ihnen einhämmern wollen: Online-Konferenzen, Homeoffice, den Betrieb umstrukturieren….Das können Sie jedoch tun, wenn es Ihr eigener Weg ist.

    Die Corona-Krise bietet die Chance, Veränderungen mit zu gestalten: Nachhaltiger wirtschaften, mehr für Umwelt- und Klimaschutz tun, mehr für das zwischenmenschliche Miteinander, unsere Resilienz stärken –gestalten Sie mit!

    Auch wenn jetzt vieles düster aussieht, wir immer noch nicht wissen, wann es „weitergeht“ – gehen Sie Ihren eigenen Weg, auch wenn es bedeutet, dass Sie eine Zeitlang anders leben müssen als bisher gewohnt.

    Das Wichtigste ist: Sie sind so, wie Sie sind, gut – und das, was Sie tun, ist ebenfalls gut. Nutzen Sie Ihre (möglicherweise noch unbekannten) Potenziale für Ihre Zukunft und die von uns allen!

Zum Abschluss kluge Worte von Anthony de Mello:

„Was ist das Geheimnis deiner Ruhe und Gelassenheit?“, fragten die Schüler.

Sagte der Meister:

„Aus dem Herzen kommendes, uneingeschränktes Kooperieren mit dem Unvermeidlichen.“  

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