Wie kann Arbeit glücklich machen?

von Dr. Ronald Franke

Wie kann ein glückliches (Berufs-)Leben gelingen? Um diese Frage zumindest ein Stück weit zu beantworten, möchte ich in diesem Artikel das mit Abstand erfolgreichste Modell zum Verständnis eines zufriedenen Lebens auf den beruflichen Kontext übertragen.

Es handelt sich dabei um das PERMA-Modell des renommierten Psychologen Martin Seligman. Die Buchstaben des Akronyms PERMA stehen dabei für fünf unterschiedliche Bereiche, die in ihrem Zusammenspiel ein glückliches Leben ermöglichen.

Jeder einzelne Bereich lässt sich auf das Berufsleben beziehen, um zu verstehen, wie Arbeit zu einem zufriedenen Leben beitragen kann – oder dies verhindert.

Die fünf Elemente eines erfüllten (Berufs-)Lebens nach Seligman

Positive Emotions: Das intensive Empfinden von positiven Gefühlen wie Freude, Stolz oder Dankbarkeit ist Teil eines glücklichen Lebens, auch wenn diese Emotionen nur von kurzer Dauer und daher immer flüchtig sind.

Um den Bezug zum beruflichen Kontext herzustellen, können wir uns folgende Frage stellen: „Bietet mein Job mir die Möglichkeit, intensive positive Emotionen zu erleben?“ Dies kann entweder im Rahmen der beruflichen Tätigkeit selbst geschehen oder durch den Kontakt mit meinen Kolleg:innen beziehungsweise Kund:innen. Wenn die Antwort Nein ist, drängt sich folgende Frage auf: „Was könnte ich ändern, um in Zukunft solche Emotionen auch am Arbeitsplatz zu empfinden?“

Engagement: Dieser Bereich beschreibt die leidenschaftliche und dauerhafte Beschäftigung mit Aufgaben und Tätigkeiten, für die man „brennt“ und aus denen man Energie ziehen kann.

Hier geht es vor allem um die konkrete berufliche Tätigkeit: „Komme ich im Zuge meiner Arbeit in einen Flow, vergesse also alles um mich herum und gehe ganz in der Aufgabe auf?“ Flowempfinden lässt die Zeit schneller vergehen, verbessert die Arbeitsergebnisse und steigert das Glücksempfinden. Versuchen Sie daher zumindest in einem Teilbereich Ihrer beruflichen Tätigkeiten einen solchen Zustand zu erreichen.

Relationships: Hier geht es um positive, lang andauernde Beziehungen auf verschiedenen Ebenen (inklusive Unterstützung füreinander) sowie Gefühle wie Loyalität und Integrität.

Eine wichtige Rolle für diesen Bereich spielt die Unternehmenskultur in meinem Unternehmen. Wie wird kommuniziert und geführt, wie kollegial wird miteinander umgegangen, wie sehr wird der Kontakt und Austausch untereinander gefördert?

Meaning: Dieser Bereich beschreibt das Erleben von Sinn und Bedeutung, das über flüchtige positive Emotionen hinausgeht und dem Leben Tiefe verleiht.

Unsere berufliche Tätigkeit ist einer der Bereiche, in dem wir einen tieferen Sinn und Bedeutung für unser Leben empfinden können. Natürlich können wir diese Elemente eines zufriedenen Lebens auch über andere Lebensbereiche erlangen, zum Beispiel die Familie oder ehrenamtliches Engagement.

Accomplishment: Um ein vollumfänglich glückliches Leben zu führen, sind als letztes Element noch für uns passende Ziele in verschiedenen Lebensbereichen wichtig, die wir im besten Fall dann auch zu unserer Zufriedenheit erreichen.

Im beruflichen Bereich sind dies natürlich vor allem berufliche Ziele, die individuell völlig unterschiedlich aussehen können (eine bestimmte Karriereposition, ein hohes Einkommen, ein eigenes Unternehmen gründen etc.). Erreichen wir diese Ziele, trägt dies zu einem zufriedenen Leben bei, andernfalls bleibt ein Stück Unzufriedenheit, auch wenn alle anderen PERMA-Bereiche erfüllt sind.

Fazit

Die Bereiche des PERMA-Modells repräsentieren in ihrer Gesamtheit die verschiedenen Ebenen eines zufriedenen Lebens. Es sollte deutlich geworden sein, dass sich diese Ebenen alle sehr gut auf den beruflichen Bereich anwenden lassen. Insofern ist es absolut sinnvoll, in eine tiefere Reflexion zur eigenen Situation in die verschiedenen Bereichen einzusteigen, um das persönliche Zufriedenheitslevel zu erhöhen.

Eine Frage der Persönlichkeit

Zum Abschluss noch ein Hinweis: Entscheidenden Einfluss auf unser Glücksempfinden im Job hat neben der konkreten beruflichen Situation auch unsere individuelle Persönlichkeit. Zum Beispiel fällt es einigen Menschen unabhängig vom jeweiligen Job deutlich leichter, positive Emotionen zuzulassen und diese auszukosten (hier spielt das Persönlichkeitsmerkmal Extraversion eine Rolle).

Andere Menschen tun sich zum Beispiel mit dem Setzen und Erreichen von Zielen leichter (Gewissenhaftigkeit), mit dem Eingehen von Beziehungen (Kooperation) oder dem Sinnerleben (Offenheit). Um den Einflussfaktor Persönlichkeit auf unsere Zufriedenheit im Job nicht zu vernachlässigen, ist daher eine intensive Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit im beruflichen Kontext empfehlenswert.

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