Wie schaffen wir es, gut durch eine große Krise zu kommen, die wir alle noch nie erlebt haben?

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In acht Schritten mit Begleitung durch die Corona-Krise für Menschen und Unternehmen

Bis Anfang März war alles prima: Wir haben gearbeitet wie immer, unsere Kinder gingen zur Schule oder in die Kita, wir waren im Skiurlaub, freuten uns aufs Frühjahr – vom Corona-Virus in China hatten wir zwar gelesen oder gehört, aber das ist ja weit weg…Und dann ging´s los: Schlechte Nachrichten bei uns, Warnungen, rasant steigende Zahlen von Infizierten, Einschränkungen…aber es war alles so seltsam fern…

  1. Der Schock kam spätestens letzte Woche: Es ist wirklich wahr! Es trifft uns! Vor allem trifft es meine Arbeit, mein Unternehmen, meine Familie! Gefahr droht: Für unsere Freiheit, unser Land, unseren Wohlstand, unsere Zukunft!
  2. Dann wollen wir die Situation nicht wahrhaben: Es ist alles übertrieben – die Distanz, das Nicht-mehr-treffen-können von Freunden, die geschlossenen Geschäfte und Restaurants, im Homeoffice allein sein: Völlig übertriebene Panikmache – was soll das? Wir kennen niemanden, der betroffen war…wir leugnen alles ab – wir sehen nicht, wir hören nichts – also ist kein Virus da!
  3. Wir sind jetzt wütend – auf den Staat, auf uneinsichtige Mitbürger, auf unsere Kinder oder Eltern, aufs Schicksal, auf wen auch immer – irgendwer muss doch Schuld sein an dieser schrecklichen Situation! Ganz schlimm: In Sachen Corona können wir niemanden verantwortlich machen (höchstens fürs Nicht-Handeln) – nun wissen wir nicht, wohin mit unserer Wut. Gleichzeitig müssen wir vernünftig sein, einen klaren Kopf behalten, als Chef oder Inhaberin den Mitarbeitenden Mut zusprechen – woher holen wir die Kraft? Wie soll es weitergehen? Wie verhindere ich den wirtschaftlichen Absturz? Wie lange geht das noch so weiter? An diesem Punkt könnten wir erstmals Unterstützung gebrauchen: Dass uns jemand zuhört, dass wir einfach mal alles loswerden und über unsere Angst sprechen können…und dass wir mal nicht stark sein müssen.
  4. Vielleicht verhandeln wir mit dem lieben Gott, wenn wir gläubig sind, oder mit dem Schicksal – vielleicht versuchen wir alle Regeln einzuhalten, damit es schnell wieder aufwärts geht – jeder findet hier seinen eigenen Weg.
    An dieser Stelle in der Corona-Krise sind jetzt einige von uns. Manche sind noch in Schockstarre oder versuchen, alles zu leugnen. Andere müssen ihre Sorge vor der Zukunft mühsam zurückhalten, sind noch wütend oder sind schon erschöpft von vielen Extra-Schichten.
    Um zu sehen, wie es weitergehen kann und wird, zeige ich Ihnen anhand der Grafik den Verlauf einer Krise in Anlehnung an die Trauerphasen von Elisabeth Kübler-Ross, die für Verwandte von todkranken Menschen entwickelt wurden. Wir alle gehen im unterschiedlichen Tempo durch die Phasen – aber es geht irgendwann wieder bergauf.
Krisenverlauf
  1. Zunächst kommt noch der dunkle Tunnel der Depression. Nun kommen Fragen auf wie „Womit habe ich das verdient? Ich habe doch immer so viel gearbeitet!“ oder „Wann wird es wieder aufwärts gehen?“. Wir können nicht glauben, dass diese Situation des Beschränkt-Seins, der Kurzarbeit, der drohenden Insolvenz noch lange anhält. Es muss doch Ostern, zumindest spätestens Ende April vorbei sein! Dieser Corona-Virus kann uns doch nicht von unserem Leben abhalten, er kann doch nicht unseren Betrieb kaputt machen! Er kann doch meine kranken Eltern nicht bedrohen oder meine Kinder vom Schulabschluss abhalten!
    An dieser Stelle wird es nochmal hart – je nach Persönlichkeit kommen wir hier mehr oder weniger gut zurecht. Wir haben das Gefühl, dass diese Zeit nie endet, wir haben Angst vor den schlechten Wirtschaftsprognosen, vor Jobverlust, vor Einsamkeit…. Und gerade in dieser Situation dürfen Sie Ihre Familien und Freunde nicht sehen! Es ist wichtig, dass Sie telefonieren, skypen, zoomen o.ä. – dass Sie sich hören und sehen! Gehen Sie mit einer oder einem guten Freund/in spazieren – das dürfen Sie ja! Überhaupt: Nutzen Sie die Natur, tanken Sie frische Luft und Sonne!
    Als Unternehmen: Informieren Sie sich über finanzielle Unterstützung durch Staat und Banken; überlegen Sie, wie Sie Ihren Betrieb umorganisieren können, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Welche Struktur wird jetzt gebraucht? Teilen Sie Ihre Teams gut auf, damit Sie immer Entscheider mit Wissen haben, falls ein Teil erkrankt. Welche Personal- und Sach-Ressourcen brauchen Sie, welche haben Sie? Machen Sie Pläne, was Sie als Erstes, Zweites, Drittes machen würden, wenn alles wieder seinen Gang geht und der Corona-Virus besiegt ist. Was sind Ihre wichtigsten Ziele: Das Unternehmen halten? Mitarbeitende halten? Die Kunden? Es ist gut, wenn Sie als Führungskraft oder Chefin ein paar Schritte voraus sind.

    Und wenn Sie das Gefühl haben, Sie halten es nicht mehr aus, Sie möchten nicht mehr stark sein – oder Sie brauchen einfach eine Unterstützung beim Vor-Denken und Voraus-Sein – dann suchen Sie sich Coaches, Organisationsberater, Supervisoren, die online zur Verfügung stehen! Es gibt tolle Techniken aus dem Coaching oder dem Projektmanagement, die Sie unterstützen können, damit Sie zum Ende des Tunnels kommen.
  2. Nun geht es aufwärts! Das Schlimmste ist überstanden! Sie beginnen zu experimentieren: Was geht jetzt? Wo stehen wir? Wann können wir wie und mit wem starten? Es ist wie eine Aufräumaktion: In welcher Ecke fange ich an? Sie werden wieder handlungsfähig. Vielleicht mit geringeren Finanzen als vorher, mit weniger Mitarbeitern, weniger Aufträgen – vielleicht haben Sie sogar Ihr Unternehmen verloren - aber es geht weiter. Haben Sie inzwischen überlegt, ob Sie etwas ändern möchten? Zum Beispiel als Mensch einen neuen Weg einschlagen? Oder als Unternehmen eine andere Kundengruppe ansprechen? Etwas anderes tun oder anbieten?
  3. Eins ist sicher: Unsere Welt wird nach überstandener Corona-Krise eine andere sein. Wir werden uns verändert haben, unsere Umwelt hat sich verändert…Natürlich können Sie der Zeit vor der Krise hinterher trauern – und das ist für eine gewisse Zeit ok. Aber die Zeit der Trauer und des Verlusts war doch schon lang genug, oder? Entschließen Sie sich, in die Zukunft zu blicken, nehmen Sie die Welt und ihre Umgebung so an, wie sie jetzt ist – eine andere gibt es nicht mehr. Reflektieren Sie jetzt, wie Sie persönlich oder Ihr Betrieb die Krise überwunden haben – was hat Ihnen geholfen? Was war im Nachhinein betrachtet sogar gut? Vielleicht Nachbarschaftshilfe, Solidarität mit anderen, die hohe Wertschätzung persönlicher Kontakte? Das Trennen von schlechten Strukturen, Produkten, Kunden im Unternehmen, von egoistischen Freunden im Privatleben? Sprechen Sie mit Vertrauenspersonen darüber, tauschen Sie sich aus – gönnen Sie sich professionelle Begleitung und Beratung, damit Sie ein gutes Krisenmanagement für das nächste Mal aufbauen können – auch für Sie persönlich.
  4. Nun sind Sie soweit: Sie können die neue Lage akzeptieren. Es ist, wie es ist. Sie brauchen noch eine gewissen Zeit, um in Ihrem Berufs- und Privatleben sowie in Ihrem Unternehmen die Strukturen so aufzubauen, dass es passt. Vielleicht planen Sie jetzt die Zusammenarbeit anders? Die interne Kommunikation? Und nutzen die digitalen Medien weiter? Und im Privaten freuen Sie sich so, dass Sie wieder mit Ihren Freunden essen gehen können, dass Sie Ihr Smartphone während des Treffens in der Tasche lassen…

    Alles, was Sie während der Corona-Krise erlebt haben, integrieren Sie jetzt in Ihr Leben, wachsen menschlich weiter – und sind gut auf die nächste Krise vorbereitet.

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