Wie soll eine Führungskraft sein? Warum Fachwissen und Methoden nicht reichen!

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Haben Sie schon von Pater Anselm Grün gehört? Er ist Benediktiner-Mönch und ehemaliger Leiter (Cellerar) der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und Autor zahlreicher Bücher zu Lebens- und Sinnfragen.

Darüber hinaus bietet er zusammen mit weiteren Dozent/innen seit vielen Jahren Führungsseminare auf der Basis der Regel des heiligen Benedikt von Nursia an: Ein Seminar heißt "Menschen führen - Leben wecken", es ist auch als Buch erschienen.

Die Haltung

Im Gegensatz zu anderen Führungsseminaren geht es bei Anselm Grün und der Benedikt-Regel um die Haltung der Führungskraft. Welche Eigenschaften, welchen Charakter muss jemand haben, der führt? Welches Menschenbild sollte jemand haben, der Führungsverantwortung übernommen hat oder übernehmen will?

Wer führen will, muss erst sich selbst führen können

Das ist der wichtigste Satz, den es über die Voraussetzung zum Führen gibt. Sich selbst kennen, mit den eigenen Gedanken und Gefühlen zu Recht kommen, welche Bedürfnisse, Leidenschaften und Emotionen einen antreiben – kenne ich eigentlich meine Gedanken und weiß, wo sie herkommen? Wer Gefühle unterdrückt, wird eine unausgeglichene und unbeherrschte Führungskraft sein – zu Lasten der Mitarbeiter und des Unternehmens.

Wichtige Führungseigenschaften

Erfahrung, hin zur Weisheit (auch jüngere Menschen können weise sein!) ist eine wichtige Eigenschaft zum Führen, ebenso menschliche Reife, die sich durch innere Ruhe, Gelassenheit und das Eins-Sein mit sich selbst auszeichnet. Auch Besonnenheit gehört dazu sowie Demut, Gerechtigkeit und Klarheit in seinen oder ihren Entscheidungen. Wunderbare Worte, die stetige Ziele einer guten Führungskraft sind: Eins-Sein, ausge-wogen sein,  be-sonnen-sein, De-Mut, Ge-recht-igkeit, Klar-heit: Sonne, Wärme, Waage, Recht, Mut und Klarheit.

Positives Menschenbild

Wenn Sie führen möchten, sollten Sie Menschen mögen, sogar lieben. Es sollte Ihr oberstes Anliegen sein, für Ihre Mitarbeiter zu sorgen, dass es ihnen gut geht, sie gern bei Ihnen arbeiten und ihre Potenziale entfalten können. Sie sind bereit, Verantwortung für Ihre Mitarbeiter zu übernehmen und sich bei Problemen vor sie zu stellen. Führen ist im Grunde eine spirituelle Aufgabe, denn Sie werden sich immer wieder selbst fragen müssen, ob Sie sich auf Menschen und die damit zusammenhängende Herausforderung einlassen können. Wenn Sie einen unzufriedenen, sogar destruktiven Mitarbeiter im Team haben, sollten Sie versuchen, herauszufinden, worunter er leidet, wonach er sich sehnt, was ihm gut tun würde. Durch Ihre Führungsqualitäten, durch Ihre Haltung werden Sie es schaffen, diesen Mitarbeiter zu motivieren – Sie werden den Schlüssel zur „Schatztruhe“ des Mitarbeiters finden und sie aufschließen.  Damit wecken Sie in ihm die Lust an der Arbeit – zu Ihrem eigenen Vorteil und dem Ihres Unternehmens.

Für sich selbst sorgen

Jede Führungskraft soll für sich selbst sorgen: Sie muss wissen, was die Tätigkeit mit ihr macht, ob ihre Bedürfnisse erfüllt werden, oder ob sie sich nur von äußeren Aufgaben und Anforderungen drängen und somit vereinnahmen lässt. Er oder sie wird sich selbst nicht mehr spüren, sondern empfindlicher oder aggressiver werden, ggf. sogar zynisch. Das wird sich je nach Position auf die Abteilung oder auf das gesamte Unternehmen auswirken. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, denn auch war einmal eine solche ausgebrannte Führungskraft, die sich für ihr Unternehmen aufgeopfert hat und dabei sich selbst verloren hat. Wenn Sie spüren, dass Sie nicht weit davon entfernt sind: Halten Sie inne! Ziehen Sie sich zurück und denken Sie nach, wo Sie stehen, wo Sie sein möchten – und fragen Sie sich: Können Sie sich selbst führen? Lesen Sie dazu gern meine Texte „In fünf Schritten führen lernen“ oder suchen Sie sich einen externen Partner oder Coach, der oder die Sie dabei begleitet.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, Verantwortung abzugeben, zu delegieren. Geben Sie Ihren Mitarbeitern eigene Entscheidungsbereiche, lassen Sie sie kreativ sein! Vereinbaren Sie gemeinsame Ziele, aber lassen Sie die Mitarbeiter den Weg selbst gestalten.

Hilfreich kann für Sie es auch sein, den Standort zu wechseln, z.B. auf Zeit in ein Kloster zu gehen, um Abstand zu gewinnen, die vielen Fragen an sich selbst in Ruhe und vielleicht mit Unterstützung der Mönche zu beantworten.

Beispiel

Ein Unternehmer hat Unterstützung durch Pater Anselm Grün und sein Team gesucht, als es in seinem Unternehmen immer schlechter lief: Bodo Janssen, Eigentümer der Hotelkette Upstalsboom. Über den Erfolg der Umsetzung hat er ein Buch geschrieben: "Die stille Revolution. Führen mit Sinn und Menschlichkeit". Einer seiner Glaubenssätze lautet: »Wenn jemand als Führungskraft etwas verändern möchte, ist er gut damit beraten, zunächst und ausschließlich bei sich selbst anzufangen.« Hier können Sie die Entwicklung von Herrn Janssen von einer „unechten“ Persönlichkeit mit übersteigertem Selbstwertgefühl zu einer echten Führungspersönlichkeit mit einem positiven, selbst-reflektierten Menschenbild verfolgen.

Ziel des Führens

Das Ziel des Führens aus Sicht der Benediktiner ist eine spirituelle Unternehmenskultur mit einem verlässlichen, klaren Betriebsklima, einer gemeinsamen (wirtschaftlichen) Zielerreichung, der achtsame Umgang mit Menschen und das Schaffen einer kreativen Unternehmensumgebung. Mit der Haltung des Selbst-Führens, mit den genannten Eigenschaften, einem positiven Menschenbild sowie einer guten Selbst-Fürsorge wird es Ihnen gelingen, eine eindrucksvolle Haltung als Führungskraft zum Wohle Ihrer Mitarbeiter und Ihres Unternehmens zu entwickeln. Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Weg mit einer guten Begleitung (durch einen Menschen, ein Buch oder einen Klosteraufenthalt…)!

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